Nein, ich werde nicht alt, aber ich werde älter. Gerade das aktuelle Heft hat mich, mitunter ein bisschen sentimental machend, an meine Jugendzeit erinnert. Natürlich ist der Blick zurück oft verklärend. Einiges behübscht die Erinnerung, in dem sie Unangenehmes und Verstörendes ausblendend. Es bleiben die schönen Bilder.
Zum Beispiel an Motto-Gründer Franz Thell, wo ich, obwohl noch nicht volljährig, einen Sommer hindurch als „DJ“ aushelfen durfte. Cooler ging es nicht! Wir sammelten Schallplatten und gingen auch deshalb in Diskotheken, weil wir neue Songs kennen lernen wollten. Jedenfalls ging es bei U4-Besuchen in den frühen 1980er-Jahren nicht primär darum, Mädchen kennen zu lernen. Die Älteren interessierten sich nicht für uns und die Gleichaltrigen durften nach Mitternacht nicht fortgehen.
Plattensammlung habe ich schon lange keine mehr. Zuerst hatte ich einen Walkman (Sony Professional), dann einen Discman und irgendwann auch einen iPod – jedes Gerät für sich eine kleine Sensation. Heute höre ich Musik über mein Handy, wie fast alle, die ich kenne. Doch seit ein paar Jahren kehren die DJs mit ihren Schallplatten wieder zurück und begeistern mich mit ungekannten Songs, die sich niemals auf meine Playlist verirren würden. Das Beste dabei ist, dass sie nicht in Clubs und Diskotheken auflegen, die ich, ehrlich gesagt, heute nicht mehr besuche. Ich treffe sie in großartigen Restaurants und lässigen Weinbars rund um den Globus! So hat sich in meinem Kopf so langsam die Fokus-Story für dieses Heft entwickelt.
Im Alltag gilt meine Aufmerksamkeit der Gegenwart, was bedeutet, dass auch das Morgen für mich eine Rolle spielt. Heute weiß ich, wie schlecht es mir am nächsten Tag geht, wenn ich über die Maßen Alkohol trinke. Früher tat ich das öfter. Der Kater war auch nicht ganz so schlimm. Heute sind solche Verrücktheiten für wenige, ausgesuchte Abende reserviert.
Gleichzeitig ist es schön, zu sehen, wie nachfolgende Generationen ihr Leben – und damit auch meines – gestalten. Wie viele großartige, neue Lokale entstanden sind, wie viel unbeschwerten Spaß am Leben junge Menschen gerade im Sommer haben. Schön aber auch, dass dabei immer wieder die Musik meiner Jugend gespielt wird. Egal ob auf Vinyl oder digital.
Viel Freude beim Lesen, euer Lust&Leben-Team
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