JUBILÄUMS TALK

QIMIQ: HIDDEN CHAMPION

Jeder professionelle Koch weiß, was QimiQ ist. Doch das Unternehmen, das hinter diesem originellen Markennamen steckt, kennen die wenigsten. Wir haben das sympathische Familienunternehmen in Hof bei Salzburg besucht.

Text: Wolfgang Schedelberger // Fotos: Rainer Fehringer

Am Anfang stand die Idee, Schlagsahne so aufzubereiten, dass sie sich in Profiküchen besser einsetzen lässt. Es folgten fünf Jahre intensiver Forschungsarbeit, bevor Rudolf F. Haindl und sein Partner Johann Mandl 1995 ein marktfähiges Produkt namensQimiQ patentieren konnten. Zunächst eroberte diese mehrfach ausgezeichnete Innovation die heimischen Profi- Küchen. Seit 2001 ist QimiQ auch im österreichischen Lebensmittelhandel erhältlich.

Still und heimlich hat sich das Familienunternehmen aus Hof bei Salzburg zu einem echten Global Player entwickelt, der mittlerweile in 40 Ländern tätig ist. Das ist umso erstaunlicher, als man sich in diesem Marktsegment gegen Milliarden-Konzerne wie Nestlé und Unilever behaupten muss. Michele Haindl will den erfolgreichen Weg, den ihr Vater Rudolf vor 25 Jahren eingeschlagen hat, weiter konsequent fortsetzen.

Lust & Leben: Ihr Vater und sein Kompagnon Johann Mandl haben vor 25 Jahren eine geniale Idee gehabt, die sich zunächst am heimischen Markt und dann auch international durchgesetzt hat. Wieso wurde QimiQ nicht schon längst von einem internationalen Konzern geschluckt?

Michele Haindl: Weil wir ein Familienunternehmen sind, das nicht zum Verkauf steht. Wären wir irgendwann an die Börse gegangen, hätte uns wohl schon längst ein großer Konzern übernommen. Mein Vater ist nicht nur ein genialer Tüftler, er hat auch viel Spaß am Unternehmertum entwickelt. Wieso soll man etwas verkaufen, wenn man nicht muss? Obwohl wir mittlerweile in 40 Ländern agieren, sind wir nicht so groß, wie das zunächs klingen mag. In Österreich kennt uns fast jeder, weil wir auch in den Supermärkten gelistet sind. International arbeiten wir fast nur mit Großverbrauchern und der Industrie zusammen. Da sind wir also „nur“ ein Nischenplayer.

In so gut wie jeder Produktkategorie gibt es mehrere Anbieter, die sich dann in erster Linie über ihren Markenauftritt differenzieren. Wie stellt sich Ihr Wettbewerbsumfeld dar und wie positioniert sich die Marke QimiQ?

Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber wir sind tatsächlich einzigartig. Wir haben weder die Schlagsahne noch die Gelatine erfunden. Wenn man in der Küche viel Zeit und Liebe hat, „braucht“ man QimiQ nicht zwingend. Aber mit QimiQ gelingt es eben immer, weil es einfach zu benutzen ist und stabil mit Öl, Flüssigkeiten, Alkohol und Säure emulgiert. Mit einem Fettanteil von 15 bis 19 Prozent lassen sich auch leichte Gerichte spielend einfach komponieren.

Dazu kommt noch, dass QimiQ auch ungekühlt sehr lange haltbar ist. Dass mag für den Endkonsumenten in Österreich nicht ganz so wichtig sein. Aber für einen Großkunden in den Tropen ist die lange Haltbarkeit das Um und Auf. Auch auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es nur eingeschränkt Kühlmöglichkeiten. Deshalb ist dort QimiQ besonders beliebt.

Die QimiQ-Familie feiert Jubiläum: Nicola Haindl (r.) mit Tochter Michele beim Lust&Leben-Gespräch im Kochstudio in Hof bei Salzburg. 

Das leuchtet ein. Aber wie kommt QimiQ auf ein Kreuzfahrtschiff? Österreich ist ein Binnenland und wenn ich mir Ihren relativ kleinen Firmensitz ansehe, kann man hier nicht einmal den Vorrat für ein einziges Schiff herstellen. Wo wird tatsächlich produziert?

Hier im Haus wird getüftelt und Probe gekocht. Außerdem erledigen wir hier alle administrativen Arbeiten. Vor Kurzem haben wir auch attraktive Räumlichkeiten für Seminare und Workshops eingerichtet. Produziert wurde hier jedoch nie. Von Anfang an arbeiteten wir mit Salzburg Milch zusammen, die für uns die „Vermählung“ von Sahne und Gelatine vornimmt. Im Laufe der Jahre sind Produktionspartner in der Schweiz, in Italien und Japan dazugekommen. Letztes Jahr haben wir auch eine Kooperation mit der Dutch Mill Molkerei im australischen Tasmanien gestartet, um unsere Präsenz auf den asiatischen Märkten weiter auszubauen.

„Made in Australia“ statt „made in Austria“ – klingt ja auch ganz gut … 

Allerdings. „Made in Australia“ ist gerade bei Milchprodukten ein Markenzeichen, das in ganz Asien hoch im Kurs steht. Unser patentgeschütztes Herstellungsverfahren ist überall gleich, die Qualität der frischen Milch und der Gelatine sind genau definiert. Die verschiedenen Produktionsstandorte sind notwendig, weil es im internationalen Handel auch um Fragen von Zöllen und Zertifizierungen geht.

Das klingt unglaublich – QimiQ ist auf der ganzen Welt gefragt. Wie schnell soll das internationale Wachstum in den nächsten Jahren vorangetrieben werden?

Mein Vater hat ganz am Anfang unseres Unternehmens einmal der Versuchung nachgegeben, aufgrund der überraschend großen Nachfrage rasch zu wachsen. Dann kam die BSE-(Rinderkrankheit)-Krise in Österreich an, die zu erheblichen Verunsicherungen und Verwerfungen in der Landwirtschaft und bei den Konsumenten führte. Und eine Absatz- wie Finanzierungsherausforderung mit sich für uns brachte. Obwohl ich damals noch ein Kind war, kann ich mich an diese schwierige Zeit gut erinnern. Das war uns allen eine Lehre. Wir wollen selbstständig bleiben und daher aus eigener Kraft wachsen. Die Situation des globalen Handels ist aufgrund der aktuellen Zollkriege schwer zu prognostizieren, wir agieren also mit der notwendigen Vorsicht.

Wie schaut es mit Wachstumsmöglichkeiten in Österreich aus? Was erwarten Sie sich von der neu entwickelten veganen QimiQ-Variante?

Wir verfolgen den heimischen Markt aus nächster Nähe und haben das starke Wachstum an veganen Milch-Alternativen genau verfolgt. Wir haben zunächst viel mit Soja und Hafer experimentiert. Aber die Ergebnisse haben uns nie restlos zufriedengestellt. Zum einen wollten wir unbedingt die gleichen Produkteigenschaften wie bei unserem Original erreichen, zum anderen waren wir bei den sensorischen Tests sehr heikel.

Schlussendlich haben wir eine Variante auf Basis von Kokosfett entwickelt, die unseren Ansprüchen in allen Bereichen entspricht. Natürlich hoffen wir, damit möglichst viele heimische Konsumenten zu begeistern, noch viel mehr Potenzial sehen wir aber bei unseren Industriepartnern.

Was meinen Sie damit genau?

Vom Gemüsesalat im Kühlregal bis zur Tiefkühlpizza sind vegane Gerichte stark gefragt. Da eröffnen sich für uns viele Möglichkeiten, wie schon die ersten Reaktionen unserer Industriepartner zeigen. Wir testen laufend alternative Einsatzbereiche für QimiQ in unserer hauseigenen Küche, um unseren Kunden neue Lösungen anbieten zu können. Wachstum kann man nicht nur mit neuen Märkten generieren. Oft ist es lohnender, bestehende Kunden zu beraten und ihnen weitere Einsatzmöglichkeiten von QimiQ zu präsentieren.

Unser Küchenleiter Udo Sieghart ist gerade aus den USA zurückgekommen, wo er mehrmals im Jahr Restaurantketten bei der Rezeptentwicklung zur Seite steht. Sehr gut läuft auch die Zusammenarbeit mit iSi – ein weiteres österreichisches Unternehmen, das mit seinen Gourmetwhips rund um den Erdball agiert und in fast allen Spitzenrestaurants der Welt präsent ist.

culinary r&d: Im Haus wird getüftelt und Probe gekocht. Vor Kurzem wurden attraktive Räumlichkeiten für Seminare und Workshops eingerichtet.

Wir haben jetzt nur über das klassische QimiQ sowie die vegane Alternative gesprochen. Welche Rolle spielen die anderen Produkte aus Ihrem Haus, wie etwa die Marinade-Basis oder QimiQ Tiramisu?

Wir forschen laufend und entwickeln dabei immer wieder neue Produktideen. Gleichzeitig wollen wir nicht den Fokus aufs Wesentliche verlieren. Die Marinade-Basis funktioniert großartig, einige Profi-Köche sind echte Fans geworden. Gleichzeitig ist das ein absolutes Nischenprodukt und wird es wohl auch bleiben.

Mit der Tiramisu-Variante geben wir der Patisserie eine sinnvolle Ergänzung an die Hand. Eine Variante mit Vanille-Geschmack auf den Markt zu bringen war nicht wirklich schwierig und hat die Nachfrage im Lebensmittelhandel weiter erhöht. Wieso also nicht? Wir hätten noch hunderte andere Ideen, aber nicht alles, was wir können, macht unternehmerisch auch Sinn.

Einzigartig: QimiQ und Michele R. Haindl sind mehr als eine vernünftige Vermählung in der Zukunft.

wer&was

QIMIQ Handels GmbH
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5322 Hof bei Salzburg
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