DEM SCHANI SEINE BRÜDER

Laufend kommen neue internationale Hotelmarken nach Wien, um hier ihr Glück zu versuchen. Mit ihren Schani-Hotels spielen auch Benedikt und Alexander Komarek im Konzert der Großen erfolgreich mit.

Text: Wolfgang Schedelberger; Fotos: Rainer Fehringer (Porträts), Gregor Hofbauer.

Lust & Leben: Unglaublich, wie grün die Lobby in eurem jüngsten Hotel bei der UNO-City wirkt. Sind das echte Pflanzen?

Benedikt Komarek: Die großen Pflanzen, die am Boden stehen, sind alle echt, nur jene, die als Dekoration hoch über der Bar hängen, sind aus Kunststoff. Lebende Pflanzen schaffen in einem großen Raum eine ganz eigene Wohlfühl-Atmosphäre. Ein stimmungsvolles Ambiente der öffentlichen Bereiche war für uns von Anfang an wichtig. Da kann man mit überschaubaren Investitionen sehr viel erreichen. Gäste begeistert man mit vielen kleinen Details. Die führen dann auf den verschiedenen Buchungsplattformen zu überdurchschnittlich guten Bewertungen.

Und die sind wirklich so wichtig?

Alexander Komarek: Absolut. Das ist die digitale Währung, die über die Auslastung und den erzielbaren Preis entscheidet. Alles unter acht Punkten ist eine Katastrophe, ab 8,5 Punkten wird es gut. Wenn wir über 9 Punkten liegen, sind wir happy. Wir schauen uns natürlich auch die Texte an, um herauszufinden, an welchen Schrauben wir drehen können. Für die Buchungsentscheidung zählt aber fast immer nur die nackte Zahl. Neukunden orientieren sich eigentlich nur an drei Kriterien: Bewertung, Lage und Preis.

Reden wir zuerst über die Lage. Welche Strategie verfolgt ihr bei der Suche nach neuen Locations? Die vier Schani-Hotels liegen am Hauptbahnhof, bei der UNO-City, in der Mariahilfer Straße und am Wilhelminenberg. Wie ist es zu diesem eigenwilligen Standort-Mix gekommen?

BK: Grundsätzlich verfolgen wir eine klare Strategie. Aber dann gibt es auch Standorte, die zwar nicht haarscharf in unser Konzept passen, aber trotzdem sehr reizvoll sind. Unseren ersten Standort am damals neu entstehenden Hauptbahnhof haben wir ganz bewusst ausgewählt. Unser relativ kleiner Schani Salon in der Mariahilfer Straße hat sich aufgrund glücklicher Umstände ergeben und ist eigentlich ein Boutique-Hotel. Das mussten wir einfach machen. Die UNO-City hat wieder punktgenau ins ursprüngliche Konzept gepasst, genauso wie die zwei Häuser am Naschmarkt und in der Leopoldstadt, die wir 2026 eröffnen werden.

Das Schani-Wienblick am Wilhelminenberg ist insofern ein Ausreißer, als es unser ältestes Haus ist, das bereits seit 1929 in Familienbesitz ist. Es war naheliegend, es bei der zuletzt anstehenden Renovierung in die Schani-Familie zu integrieren.

Also zurück zum Anfang. Begonnen hat alles am Wilhelminenberg. Die Schani-Hotels haben heuer ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Was steckt hinter der Marke „Schani“?

AK: Wir sind im elterlichen Hotel am Wilhelminenberg aufgewachsen und haben alle Aspekte eines Hotels aus nächster Nähe kennengelernt Ich habe mich nach dem Studium der Steuerberatung gewidmet, mein Bruder hat sich um das Hotel gekümmert. Wir waren damals noch Singles und sind beide sehr viel gereist. Besonders genau haben wir dabei natürlich die Hotels, in denen wir übernachtet haben, unter die Lupe genommen. Eines Tages ist Benedikt mit der Idee zu mir gekommen, ein eigene, moderne Hotelmarke zu entwickeln. Das war der Anfang des Schani-Konzepts.

BK: Ich war jung und voller Tatendrang. Das elterliche Hotel mit 20 Zimmern zu managen war mir zu wenig. Ich habe mich damals auch viel mit Hotelkonzepten beschäftigt. Vor allem Michael Widmann von PKF hospitality und Vanessa Borkmann, die beim Fraunhofer IAO zum Thema „Hotel der Zukunft“ forscht, haben mich inspiriert, über ein neues, eigenes Hotelkonzept nachzudenken. Es gibt dabei so viele spannende Aspekte, von der Architektur und dem Design über die Marktpositionierung bis hin zu moderner Technik und Digitalisierung.

Ich habe verschiedene Hotels besucht, in denen manche Aspekte perfekt umgesetzt wurden. Aber ich habe keines gefunden, wo ich mir gedacht habe: Ja, die machen alles richtig. Also habe ich begonnen, eine zeitgemäße Hotelmarke zu entwickeln, die alle meine Vorstellungen berücksichtigt.

Das klingt nach einem reizvollen Gedankenexperiment. Aber wie übersetzt man solche Träume in die Wirklichkeit?

BK: Die Träume haben wir Schritt für Schritt konkretisiert. Wir haben die Innenarchitektur und die Gestaltung der Zimmer geplant, alle operativen Abläufe definiert und Business-Pläne für City-Hotels mit 100 bis 150 Zimmern geschrieben. Wir haben also schon sehr klare Vorstellungen gehabt, bevor wir begonnen haben, unser Konzept verschiedenen Verpächtern zu präsentieren.

AK: Das Feedback auf unsere Präsentationen war immer großartig. Trotzdem haben wir nur Absagen bekommen. Als Newcomer ohne bestehenden Track-Record kommt man an größere Projekte einfach nicht heran. Also haben wir damit begonnen, uns selbst nach einer Immobilie umzusehen, um dort ein eigenes Haus zu betreiben. Da hat uns meine finanzielle Expertise natürlich sehr genutzt, weil die Finanzierung und Errichtung einer Immobilie ganz etwas anderes ist, als ein Hotel zu betreiben. Da haben auch unsere Eltern entscheidend mitgeholfen, woran man sieht, welche Kraft eine intakte Familie hat. Schlussendlich sind wir am neuen Wiener Hauptbahnhof fündig geworden, das wir vor zehn Jahren aufgesperrt haben.

Kulinarische Vorfreude: Rund um einen Tisch oder mit einem Drink auf der Rooftop-Bar – der Gastronomiebereich wird von den Brüdern im neuen Schani-Hotel Naschmarkt weiter ausgebaut.

Wie ist es eigentlich zu dem außergewöhnlichen Namen gekommen?

BK: Nach langem Hin und Her mit einer befreundeten Agentur. In der Finalrunde waren zwei Namen übrig, ein sehr international klingender, der in fast allen Sprachen gut funktioniert und eben Schani. Schlussendlich hat das Bauchgefühl entschieden. Schani ist einfach sympathischer und persönlicher, auch wenn viele Gäste zunächst nicht wissen, wofür der Name eigentlich steht.

Und was versteckt sich hinter der Marke Schani? Wie gelingt es euch, in einem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld befriedigende Margen zu verdienen? Was macht ihr besser oder zumindest anders als ähnlich positionierte Mitbewerber?

AK: Wir sind in der Marktmitte positioniert – also weder Luxus noch Low Budget. Wie gelingt es, Gästen einen außergewöhnlichen Aufenthalt zu bescheren und dabei trotzdem Geld zu verdienen? In manchen Bereichen bieten wir wesentlich mehr, andere Sachen lassen wir dafür ganz weg. Zum Beispiel haben wir in jedem Zimmer zumindest fünf Steckdosen. Das kostet am Anfang ein bisschen mehr und nicht jeder Gast braucht das. Aber manche Gäste lieben uns gerade dafür.

Auch die Sitzbank bei den Zimmerfenstern hat eine richtige Fangemeinschaft. Dafür gibt es keine Rezeption und auch keinen physischen Check-out. Das geht mittlerweile alles digital. Wer das nicht übers Handy machen kann oder will, kann sich die Schlüsselkarte bei einem Automaten holen, und wenn alle Stricke reißen, steht der Guest Service zu Verfügung, der sich mit dem System auskennt. Die Liste könnte ich jetzt noch endlos fortsetzen.

BK: Wir wollen überall dort sparen, wo es der Gast nicht spürt. Hier bei der UNO-City wird die gesamte Haustechnik smart gesteuert. Die Zimmer werden erst kurz vor der Ankunft der Gäste auf die gewünschte Temperatur gebracht, zahlreiche Sensoren sorgen dafür, dass Lichter nur dann brennen, wenn jemand in der Nähe ist. Wir arbeiten mit Wärmerückgewinnung, haben Photovoltaik am Dach und vieles andere mehr. Wir haben sogar kurz überlegt, auf die TV-Schirme zu verzichten, weil die kaum mehr genutzt werden. Aber das haben wir uns dann doch nicht getraut.

Eigentlich schade. In vielen Hotels ist die Gastronomie ein arbeitsintensiver Kostenfaktor und kein Profitcenter. Wie machen das die Schanis

AK: Zunächst haben wir das ganz schlank gehalten und haben tagsüber nur Getränke und ein paar Snacks angeboten, wobei wir schon beim ersten Hotel am Bahnhof ganz bewusst auch Wiener Gäste angesprochen haben, indem wir den offen gehaltenen Frühstücksraum tagsüber als Workspace vermarktet haben. Hier bei der UNOCity bieten wir erstmals auch warme Küche und Cocktails an, was sehr gut funktioniert, weil es zum Standort passt. Unsere Mittagsmenüs sind bei vielen Büromitarbeitern aus der Umgebung beliebt, abends freuen sich vor allem Gäste, die bei einer Veranstaltung im VIC zu tun haben, darüber, im Hotel bleiben zu können. Spannend wird es bei unserem nächsten Haus am Naschmarkt, wo wir ein lässiges Restaurant und eine Rooftop-Bar machen werden, die auch zu einem Hotspot für die Nachbarschaft werden soll.

Ihr scheint ein Herz und eine Seele zu sein. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit unter Brüdern? Kann man Familiäres aus dem Geschäft wirklich ausklammern?

BK: Das kann man, weil wir klare Rollenbilder haben. Vor drei Jahren haben wir mit Markus Marth, der uns fast von Anfang an begleitet hat, einen Geschäftsführer bestellt. Unsere beiden Frauen arbeiten auch im Unternehmen mit, Juliette ist für unser Nachhaltigkeitskonzept verantwortlich, Anita kümmert sich um die Markenentwicklung und die PR. Schon bei der Eröffnung am Hauptbahnhof haben wir einen General Manager eingestellt, weil ich damals einfach nicht das Know-how gehabt hätte, ein Hotel in dieser Größenordnung zu führen. Ich arbeite zwar gerne und viel, aber das operative Tagesgeschäft muss auch ohne mich reibungslos funktionieren, damit ich meine Führungsfunktion in der Gruppe verantwortungsvoll wahrnehmen kann.

Größere Entscheidungen treffen wir beide gemeinsam. Schließlich sind wir 50/50-Partner. Wenn es um die Schani-Hotels geht, sprechen wir immermit einer Stimme.

Check-In/Check-Out: Self-Check-In-Automat. Wer das nicht digital übers Handy machen kann oder will, kann sich die Schlüsselkarte bei einem Automaten holen, und wenn alle Stricke reißen, steht der Guest Service zu Verfügung, der sich mit dem System auskennt.

Immer am Punkt: Ob voll ausgestatteter Seminarraum oder Pausenraum für den Rückzug.

Viel Gefühl für heimeliges Design und Funktionalität: Lobby mit Arbeitsplätzen und die Sitzbänke bei den Zimmerfenstern haben eine echte Fangemeinschaft bei den Gästen der Schani-Hotels in Wien.

Geschmackvoll und praktisch – und immer mit vielen Steckdosen.

wer&wo

Hotel Schani Wien Hauptbahnhof
Karl-Popper-Straße 22, 1100 Wien

Hotel Schani Salon
Mariahilfer Straße 58, 1070 Wien

Bio-Hotel Schani Wienblick
Johann-Staud-Straße 32, 1160 Wien

Hotel Schani UNO-City
Wagramer Straße 16, 1220 Wien

Hotel Schani City
Wagramer Straße 16, 1220 Wien

Hotel Schani Naschmarkt

www.schanihotels.com