HOCH DIE (KAFFEE)TASSEN
Text: Wolfgang Schedelberger (Wien); Jürgen Schmücking (Innsbruck)
Cem Korkmaz in Innsbruck ist Kaffeeröster. Und was für einer! Korkmaz’ Weg in die Welt des Kaffees begann nicht aus einer zufälligen Begegnung, sondern aus einer tief sitzenden Seine Philosophie basiert auf der Idee, dass Kaffee ein Erlebnis ist – vom Anbau bis zur Tasse. Korkmaz bevorzugt Bohnen aus nachhaltigem Anbau, oft aus kleinen, fair handelnden Farmen, und legt großen Wert auf Transparenz im Handelsprozess. Cem Korkmaz ist aber nicht nur Röster.
In seiner Rösterei im Süden der Stadt Innsbruck lebt er eine Kaffeekultur, die auch die lokale Szene prägt. Workshops und Tastings sind essenzieller Bestandteil, um das Bewusstsein für Kaffee als Genussmittel zu schärfen. In seinem Sortiment gibt es ein paar großartige Hausmischungen, aber auch Spezialitäten wie Single-Origin-Bohnen aus El Salvador, Kolumbien oder Ruanda.
Mit der traditionellen Wiener Kaffeehaus-Kultur hat der Chef-Pirat rein gar nichts am Hut. Auch optisch haben seine beiden nebeneinander gelegenen Coffee Shops keinerlei Ähnlichkeit mit einem Wiener Kaffeehaus. Kaffeekultur wird dennoch großgeschrieben, aber eben in einer sehr zeitgemäßen Form. Ja, man bekommt hier auch einen Espresso, aber schon die Frage nach einem Verlängertem würde auf Unverständnis stoßen.
Viele Gäste trinken ohnehin lieber einen Filterkaffee, weil bei dieser Zubereitungsform die Aromavielfalt eines Single- Origin-Kaffees viel deutlicher zum Ausdruck kommt. Dem jungen, studentischem Publikum gefällt das jedenfalls. Viele nutzen einen Besuch bei den Coffee Pirates dazu, auch für zu Hause einzukaufen. Echte Afficionados haben sogar ein Abo (wahlweise Filter oder Espresso), bei dem jedes Monat eine andere Sorte nach Hause geliefert wird. Noch Fragen? Jede Menge: Wo kommt der Kaffee her? Wer produziert ihn? Wird biologisch gearbeitet? Wodurch zeichnet er sich aus? So klingt der Kaffeetratsch unter echten Kaffeepiraten.
Gemeinsam ist man stärker. Deshalb schließen sich viele Kaffeebauern zu Kooperativen zusammen. Das gleiche Prinzip gilt auch beim Einkauf. Deshalb ist Tobias Radinger vor Jahren den Roasters United beigetreten, die sich heuer ebenfalls als Kooperative organisiert haben. Die 23 beteiligten Röster stehen für fair und direkt gehandelten Kaffee in Bio-Qualität. Besonders am Herzen liegt Radinger derzeit Äthiopien, wohin ihn auch seine nächste Kaffee-Reise im Frühjahr 2026 führen wird. „Wir wollen in der Kaffeefabrik unser Angebot an äthiopischen Spezialitäten-Kaffees weiter ausbauen. Da macht ein persönlicher Besuch einfach Sinn.
Schließlich lernt man nie aus“, so Radinger. Um die steigende Nachfrage nach Decaf-Röstungen zu befriedigen, will Radinger im kommenden Jahr sein Angebot erweitern und auch einen DeCaf aus Äthiopien ins Sortiment aufnehmen. „Wenn man die besten Bohnen verwendet, bekommt man auch einen tollen Decaf-Kaffee in Bio-Qualität“, ist Radinger überzeugt.
Seinen Frühstückskaffee trinkt er meist im kleinen Kaffeefabrik-Lokal im 4. Bezirk, wo es – so wie im Outlet in einer Seitenstraße zur Mariahilferstraße – alle aktuellen Mischungen zum Kaufen gibt.
Florian Mayrhofer war Leichtathlet. Zehnkämpfer, um genau zu sein. Und Hürdenläufer. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, wenn man sich in Österreich dem Kaffee gleich so sehr verschreibt, dass man eine eigene Rösterei gründen will. Hürden ohne Ende und kein einfacher Markt. Aber Mayrhofer (kurz ‘flo’) ist Genussmensch mit klaren Zielen. Also werden 2017 die unbound coffee roasters gegründet. Gute Entscheidung. Heute werkt ein ganzes Dreamteam in der Rösterei und noch einmal ein paar im unbound coffee shop gegenüber der Innsbrucker Klinik. Die Location ist einzigartig. Erstens, weil es in diesem Grätzel endlich richtig guten Kaffee gibt, zweitens, weil der Raum ein heller, moderner „creative space“ ist, der sich einerseits als entspannter Treffpunkt anbietet, aber auch ein wunderbarer Rückzugsort für entspanntes Arbeiten ist.
Mit Sandra “Sunny” Niederacher an seiner Seite, einer passionierten Gastronomin mit Foodtruckerfahrung und ausgesprochen guten Kaffeesorten und -röstungen im Regal ist der Shop ein echter Hotspot!
»Kleine Chargen, große Wirkung«
Cem Korkmaz, coffeekult OG
Tschamlerstraße 1o, 6020 Innsbruck
»Je mehr man über Kaffee weiß, desto mehr schmeckt man«
Oliver Goetz, Coffee Pirates
Spitalgasse 17, 1090 Wien
»Kooperative Kooperative«
Tobias Radinger, Kaffeefabrik
Favoritenstraße 4, 1040 Wien
Otto-Bauer-Gasse 23, 1060 Wien
»Die Kraft der Bohne«
Florian Mayrhofer & Sandra Niederacher, unbound Coffee Shop
Anichstraße 44, 6020 Innsbruck



