JUBILÄUM

DIE ERSTEN HUNDERT JAHRE

Dauerhafte geschäftliche Partnerschaften beruhen auf persönlicher Verbundenheit. So war es auch bei der Familie Kolarik und der Budvar-Brauerei in Budweis, deren Bier seit 1926 im Wiener Schweizerhaus ausgeschenkt wird.

Text: Wolfgang Schedelberger // Fotos: Matthias Aschauer

Jaroslav Brom von der Brauerei Budweis und Karl Hans Kolarik stoßen mit dem ersten Krügerl des eigens kreierten Jubiläumsbieres auf das Jubiläum an. Der mobile Lagertank der Brauerei war eine Idee von Michael Kolarik-Leingartner in seiner Verantwortung für die Biermarke, bevor er im Oktober 2025 ins Schweizerhaus wechselte.

Einen Grund zum Feiern findet man im Wiener Prater bald einmal. Ein 100-Jahr-Jubiläum ist dann aber doch etwas Besonderes. Seit wir denken können, steht das Schweizerhaus für Fassbierkultur, für Geselligkeit unter Kastanienbäumen und für deftige, aber so unglaublich köstliche Schmankerln wie die legendären Stelzen. Die Schaumkrone ist hier immer besonders fest, das Bier vollmundig und trinkfreudig. Sobald die Wiener nach der Winterpause wieder im Gastgarten des Schweizerhauses sitzen können, wissen sie, dass die nasskalten Wintertage hinter ihnen liegen und die schöne Jahreszeit begonnen hat.

Herausfordernder Neubeginn

Seit wir denken können, lieben wir Wiener „unser Budweiser“ in „unserem“ Schweizerhaus. Doch „seit wir denken können“ bedeutet nicht seit immer. Auch diese genussvolle Geschichte hat einen Anfang, der sich 1926 im südböhmischen Budweis ereignet hatte.  Bis zum ersten Weltkrieg wurde im Schweizerhaus Pilsner Urquell ausgeschenkt, das sich größter Beliebtheit erfreute. Doch im Laufe des Krieges hörte das gesellige Biertrinken auf. Nachdem der Betreiber Jan Gabriel verstorben war, blieb das Schweizerhaus ein paar Jahre lang geschlossen. Schließlich erwarb die Familie Kolarik die schon damals legendäre Gaststätte im Wiener Prater und wollte sie mit frischem Elan wiederbeleben. Auf einer Reise durch Südböhmen sind Johann Kolarik und sein damals 20jähriger Sohn Karl in Budweis eingekehrt, wo sie sich in das dortige Bier verliebten. Sie beschlossen, neben Pilsner Urquell künftig auch das süffige Budvar Budweiser auszuschenken. Den Wienern hat es auf Anhieb so gut geschmeckt, dass die Nachfrage nach Pilsner Urquell immer weiter zurückging. Die Gäste hatten entschieden – ihr neues Lieblingsbier war das Budvar Budweiser!

Die zweite Generation im Schweizerhaus: Karl Jan Kolarik und seine Ehefrau Johanna (li.) sowie Schwester Lydia Kolarik (re.) gehen mit guter Laune in die neue Saison.

Grenzenloser Genuss

Jahrhunderte lang gab es zwischen Österreich und Böhmen keine Grenze und keine Zölle. In der Zwischenkriegszeit war Handel zwischen den beiden neuen Ländern schon schwieriger. Mit der Errichtung des Eisernen Vorhangs wurde dann so manche lang andauernde Geschäftsbeziehung endgültig gekappt. Doch mit Verhandlungsgeschick auf beiden Seiten gelang, dass zumindest das Budweiser Budvar weiterhin nach Österreich geliefert werden konnte. Für die böhmische Brauerei war das Schweizerhaus Jahrzehnte lang ihr „Fenster zur Welt“. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 sind die Grenzen wieder offen, seit dem tschechischen EU-Beitritt 2004 sind sie gänzlich verschwunden. Das Bier ist das gleiche geblieben, doch seit damals schmeckt uns das Budvar Budweiser im Schweizerhaus noch einmal ein bisschen besser. So wie mit dem Schweizerhaus ging es auch mit der böhmischen Brauerei stetig bergauf: heute gibt es das Budvar Budweiser weltweit in über 70 Ländern.

Seit der Saison 2026 an der Spitze des Leitungsteams (v. l.n. r.): Michael Kolarik-Leingartner, Regina Kolarik und Geschäftsführer Karl Hans Kolarik.

So gut gezapft wie im Wiener Prater wird es – zumindest außerhalb von Budweis – allerdings nirgendwo sonst auf der Welt. Im Jubiläumsjahr 2026 blickt die Familie Kolarik nicht nur nach hinten, sondern auch nach vorne. Mit Karl Hans Kolarik, seiner Schwester Regina und deren Ehemann Michael, hat die nächste Generation das Ruder übernommen. Ihr Motto lautet: „Wir gehen mit der Zeit, damit alles beim Alten bleiben kann!“ Das gilt übrigens auch für den Bierpreis, der trotz allgemeiner Inflation auch in der Saison 2026 unverändert auf Vorjahrsniveau gehalten werden konnte.

Die hauseigene Zapfmethode sorgt für einen geringeren Kohlensäuregehalt und für unvergleichlich hohe Schaumkronen, welche neben den knusprigen Grillstelzen zum Markenzeichen des Hauses geworden sind.

Das Eingangsportal zum Biergarten der Wiener.

Karl Kolarik sen. brachte im Jahr 1926 das Budweiser Budvar Original Lager ins Schweizerhaus.

Zwei Bierdeckel in Budweis

Nachdem Vater Johann und Sohn Karl Kolarik 1926 die Landwirtschaftsmesse in Budweis besucht hatten, kehrten sie in einem Gasthaus ein. Wie üblich wurde der Bierkonsum jedes Gastes auf einem Bierdeckel vermerkt. Das Bier hat beiden so gut geschmeckt, dass sie mehr trinken wollten als sie dem anderen gegenüber eingestehen wollten. So hat jeder für sich heimlich Zwischenrechnungen für „Extrabiere“ beglichen, während der andere kurz die Toilette aufsuchte. Am nächsten Tag hat Sohn Karl seinem Vater die kleine Schummelei gestanden, als er bemerkt hatte, dass er trotz der „Extrabiere“ keinen Kater hatte. Vater Johann erwiderte, dass er es genauso gemacht habe, weil das Bier so gut war. Somit war klar: Das ist unser Bier fürs Schweizerhaus!

Mit mehr als 35 Dienstjahren ist Günter Reich eine echte Schweizerhaus–Legende.

0,0 mit viel Geschmack

Dass uns das Budvar Budweiser im Schweizerhaus besonders gut schmeckt, liegt daran, dass die Fässer stets frisch sind und das Bier langsam gezapft wird. Mit der gleichen Sorgfalt wird dort seit heuer auch das Budvar Budweiser 0,0 angeboten. Und siehe da, so schmeckt uns auch ein alkoholfreies Bier ganz ausgezeichnet. Einfach einmal probieren!

Eine handwerkliche Hommage an die böhmische Brautradition: Das Jubiläumsbier demonstriert eindrucksvoll, wie durch maximale Geduld im Lagerkeller und den Einsatz hochwertigster Naturhopfen-Dolden ein Klassiker an sensorischer Tiefe gewinnen kann, ohne seine Herkunft zu verleugnen.

wer&was

Schweizerhaus
Prater 116, 1020 Wien
www.schweizerhaus.at