BACKPACKER FOREVER

WOMBAT’S FROM AUSTRIA

Wombats sind Beuteltiere aus dem östlichen Australien. Die Wombat’s City Hostels haben vor 27 Jahren in Wien das Licht der Welt erblickt und vermehren sich vielversprechend: Aktuell gibt es in Europa sechs Wombat’s-Hostels.

Text: Wolfgang Schedelberger // Fotos: Rainer Fehringer.

Wir treffen Wombat’s Co-Gründer Marcus Praschinger an einem sonnigen Vormittag in seinem Hostel am Wiener Naschmarkt. Ich bin etwas zu früh und suche mir im lässig gestalteten „WomCAFÉ“ einen netten Tisch. Das Publikum ist jung, beschäftigt sich mit Laptop oder Handy und trinkt Kaffee. Die Szene erinnert an ein hippes Studentencafé in Uni-Nähe. Nur der Kaffee ist hier viel besser. Und die Croissants sind frisch und knusprig. Dann kommt Marcus Praschinger (57) gut gelaunt bei der Tür herein. Wir sind etwa gleich alt und heben den Altersschnitt im Raum deutlich.

Irgendwie wirkt das Wombat’s wie die junge Variante eines 25hours Hotels: Eine Lobby mit lässiger Bar und hoher Kaffeekultur, viele Nischen, wo die Gäste relaxen können, modern designte Zimmer mit Bad. Dennoch bestehst du auf der Bezeichnung Hostel und nicht Hotel. Was ist der Unterschied?

Der Unterschied liegt vor allem im Spirit und unserer Geschichte. Wir sind keine internationale Hotelkette, die nur mit Design und Marketing versucht, zusätzlich junge Gäste anzusprechen. Wir waren schon ein Hostel und „jung“. Als wir das erste Wombat’s vor 27 Jahren am Wiener Westbahnhof aufgesperrt haben, war es eine Alternative zu den relativ lieblos geführten Jugendherbergen in den Randbezirken. Es ging uns darum, eine lässige Übernachtungsmöglichkeit für junge Weltenbummler zu schaffen, so wie wir es auf einer Australien-Reise selbst erlebt haben. Der formale Unterschied ist, dass man bei uns ein Bett und kein Zimmer bucht. Ein Pärchen nimmt zumeist ein Doppelzimmer, wenn es das Budget erlaubt. Wir haben aber auch Schlafzimmer mit vier und sechs Betten, wo man sich den Raum mit „Fremden“ teilt. Die Zimmer sind trotz des zeitgemäßen Komforts vor allem zum Schlafen da. Deshalb sind unsere Cafés zum Chillen und unsere Bars als Ort der Begegnung besonders wichtig.

Als ihr euer erstes Hostel 1999 aufgesperrt habt, seid ihr selbst noch als Backpacker um die Welt gereist. Heute seid ihr fast doppelt so alt und leitet ein internationales Unternehmen mit rund 25 Millionen Euro Umsatz. Wie gelingt es euch, den jungen Gästen, die eure Kinder sein könnten, den ursprünglichen Backpacker-Spirit weiter zu vermitteln?

Älter zu werden geht im besten Fall mit Wachstum einher – beruflich wie privat. Würden wir genauso agieren wie vor 27 Jahren, wäre das nicht nur persönlich enttäuschend, sondern auch unternehmerisch problematisch. Heute sind wir für sechs Häuser und über 250 Mitarbeiter verantwortlich. 1999 sind wir am Abend noch manchmal mit australischen Backpackern an der Bar gestanden und haben mit ihnen Bier getrunken. Das Wombat’s-Konzept ist gewachsen und bietet heute deutlich mehr. Hätten wir die Marke und das Konzept nicht laufend weiterentwickelt, würde es uns wohl nicht mehr geben. Ich erinnere mich gerne an die aufregenden Gründungsjahre. Aber tatsächlich ist es noch viel spannender, ein eigenes Unternehmen zu führen, das man Schritt für Schritt weiterentwickeln kann. Dass wir einmal sechs Häuser in fünf Städten führen würden, hätten wir damals nicht zu träumen gewagt.

Wenn heute alles anders ist, bleibt die Frage, was ist – außer dem Namen – vom ursprünglichen Konzept noch übrig?

Unser Spirit! Und unser Anspruch, jungen Reisenden eine sichere, lässige und inspirierende Übernachtungsmöglichkeit zu einem fairen Preis zu bieten. Damals haben wir diesen Claim ohne viel Nachdenken intuitiv umgesetzt. Aber schon mit dem zweiten Haus in München und dem dritten in Wien mussten wir beginnen, unser Konzept konkret zu formulieren, damit es auch ohne unsere permanente Anwesenheit funktionieren kann. Dabei haben wir viel gelernt, weil wir laufend hinterfragen mussten, wieso wir etwas so und nicht anders haben wollen. Bis zur Entwicklung einer konsistenten Marke war es ein weiter Weg, der wohl nie endgültig abgeschlossen ist. Entscheidend ist es, die definierten Werte in der täglichen Arbeit umzusetzen. Wenn du ein Wombat’s betrittst, sollst du die Marke spüren. Gleichzeitig wollen wir die Besonderheit der jeweiligen Stadt und des Raums zur Geltung kommen lassen. Wir wollen Mitarbeitern möglichst viel Freiheit geben, vor Ort individuell zu entscheiden. Trotzdem muss sich ihr Verhalten mit unseren Werten decken. Je genauer man das formulieren kann, was diese Werte konkret bedeuten, umso leichter ist die Umsetzung. Da geht es vor allem um die Frage von Regel und Ausnahme.

Das klingt abstrakt. Was bedeutet das genau?

Jedes Wombat’s soll ein Haus sein, in dem sich Reisende kennenlernen, miteinander etwas trinken, Spaß haben. Dafür braucht es gewisse Regeln. Wenn ein paar junge männliche Australier – um bei diesem Beispiel zu bleiben – ausgelassen Bier trinken wollen, ist das okay. Das darf aber nicht dazu führen, dass sich eine allein reisende Asiatin unwohl oder gar unsicher fühlt. Ab wann und in welcher Form wir moderierend eingreifen, müssen unsere Mitarbeiter vor Ort selbst entscheiden. Aber es ist unsere Verantwortung, ihnen eine klare Orientierungshilfe für ihre Entscheidungen zu geben – nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Deshalb machen wir auch regelmäßig Schulungen und Coachings. Deshalb ist jedes Wombat’s ein sicherer Ort, aber nicht spaßbefreit.

Ihr habt 1999 mit einem Hostel hinter dem Westbahnhof begonnen, das es heute nicht mehr gibt. Auch das zweite Wiener Wombat’s in der äußeren Mariahilfer Straße und der Standort in Berlin wurden wieder geschlossen. Trotzdem standen die Weichen immer auf Wachstum. Was sind die Kriterien für die Eröffnung eines neuen Standortes und wann entscheidet ihr, ein Hostel wieder zu schließen?

Da muss ich ein bisschen weiter ausholen. Wir betreiben alle Hostels selbst – also ohne Franchise-Partner. Insofern hat unsere Wachstums-Strategie immer natürliche Grenzen gehabt – finanziell wie personell. Mein Modul-Studienkollege, Freund und heutiger 50/50-Partner Sascha Dimitriewicz hat im elterlichen Hotel in Wien mitgearbeitet, ich habe im SAS Palais Hotel, Hilton, Penta Renaissance und dann bei Accor wertvolle Erfahrungen in der Kettenhotellerie gemacht. Wir sind damals viel gereist und haben diese extrem lässigen Backpacker-Guesthouses in Australien kennen und lieben gelernt. Wir haben uns in Wien umgeschaut, ob wir nicht irgendwo eine günstige Pension übernehmen und umgestalten könnten. Dass wir dann dank vieler glücklicher Umstände unser Hostel selbst bauen konnten, war natürlich nicht vorhersehbar. Finanziell war es Spitz auf Knopf, aber es hat vom ersten Tag an funktioniert. Also haben wir uns nach zwei Jahren überlegt, ein zweites Haus aufzusperren. Jede Neueröffnung und jede Schließung haben ihre ganz eigene Geschichte, aber auch die Standorte, die es heute nicht mehr gibt, haben uns viel Freude bereitet. Die einzige echte Niederlage war Venedig-Mestre. Obwohl wir dort 2018 großartig gestartet sind, mussten wir zwei Jahre später mit großen Verlusten wieder zusperren. Mit Pandemiebeginn war unser Hotel über Nacht leer, trotzdem waren wir vertraglich verpflichtet, weiter die volle Miete zu zahlen. Wir mussten die Reißleine ziehen. Leider.

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen Wombat’s gekommen? Und wie habt ihr aus dem originellen Namen eine starke Marke entwickelt?

Als wir in den 1990er-Jahren in australischen Guesthouses übernachtet haben, waren wir von dem dortigen Spirit total begeistert. Da haben wir langsam die Idee entwickelt, etwas Ähnliches in Österreich zu machen. Die Idee, unser Wiener Hostel nach einem sympathischen Tier von Down Under zu benennen, war also stimmig. Rückblickend war der Name genial. Er ist kurz, prägnant und in jeder Sprache leicht auszusprechen. Vom Namen zur Marke war es ein langer Weg. Dazu gehören Kleinigkeiten wie unser eigenes Craft Beer namens „Path of the Wombat“, das es bei uns an der „WomBAR“ gibt, die Zusammenarbeit mit Musikern im Rahmen von „Wom-BEATS“ und vieles andere mehr. Wir suchen uns auch ganz bewusst aus, welche Marken wir bei uns im Haus haben wollen und welche nicht.

Zum Beispiel?

Wir wollen keine große internationale Biermarke, sondern Bier von lokalen Brauereien. Einzig bei Coca-Cola und Red Bull vertrauen wir auf die Kraft von globalen Marken. Die Weine bekommen wir von Fritz Wieninger, was für ein Hostel wohl auch einmalig ist. Wir mögen den Winzer, die Weine sind großartig und sein Name passt auch zu unserer Herkunft. Junge Gäste sind sehr markenbewusst und verstehen intuitiv, wofür eine Marke steht.

Bier und Wein sind in einem Hostel zweifellos wichtig. Doch wenn man das Wombat’s am Naschmarkt betritt, sieht man zunächst eine kleine Cafébar mit einem Faema-Siebträger, der von einem Barista bedient wird. Statt auf Automaten setzt ihr auf Kaffeekultur.

Das war eine wichtige Entscheidung, die wir 2019 getroffen haben: ein Commitment zu – für ein Hostel – überraschend hoher Gastro-Qualität. Im März 2020 waren wir startklar. Trotz der pandemiebedingten Schließungen haben wir das durchgezogen – auch weil wir ein optimistisches Zeichen setzen wollten. Junge Reisende sind zumeist sehr preisbewusst. Für viele ist es naheliegend, ihre Verpflegung am Naschmarkt oder im Supermarkt, um die Ecke einzukaufen. Wieso sollen sie also ihren Kaffee bei uns trinken, wenn wir keine bessere Qualität bieten würden? Mir war damals gar nicht so bewusst, wie wichtig das Kaffeethema für junge Leute aus aller Welt geworden ist. Heute gibt es in allen unseren Häusern erstklassigen Kaffee aus Faema-Maschinen und dem hauseigenen Wombat’s Roast vom Kaffee Campus Krems.

Die Welt dreht sich immer schneller. Vor 27 Jahren gab es weder Internet noch Mobiltelefone. Wombat’s hat mit altbackenen Jugendherbergen konkurriert, heute gibt es coole Budget-Hotels und Airbnb als Alternative. Auch die Reisegewohnheiten haben sich geändert – von Interrail zu Low-Cost-Airlines. Gibt es die klassische Backpacker-Kultur eigentlich noch? 

Ja klar, aber in einer anderen Form. Die Lust von jungen Menschen, vor dem Berufseinstieg auf eigene Faust die Welt zu erkunden, ist ungebrochen und wahrscheinlich größer denn je. Statt mit dem Rucksack reisen heute viele Leute mit einem Trolley, aber das Prinzip ist das Gleiche geblieben. Deshalb funktionieren auch unsere Hostels nach wie vor so toll. Wir werden als sympathischer Ort, wo sich junge Leute aus aller Welt begegnen und Erfahrungen austauschen, wahrgenommen. Früher haben wir die Gästezufriedenheit anekdotisch an der Bar erfahren, heute zeigt sie sich in den überdurchschnittlich guten Online-Bewertungen. Wir liegen mit allen Häusern immer über 9,0 Punkten und werden regelmäßig mit Awards ausgezeichnet.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft? Wann und wo wird das siebente Wombat’s Hostel aufsperren?

Wir müssen nicht um jeden Preis wachsen. Unsere unternehmerische Unabhängigkeit ist viel wichtiger als Expansion. Die Entscheidung für einen neuen Standort hängt immer von verschiedenen Faktoren ab. Die Rahmenbedingungen werden jedoch immer schwieriger, um bei einem attraktiven Projekt den Zuschlag zu bekommen. Spruchreif ist derzeit noch nichts, aber eine Rückkehr nach Berlin hätte irgendwie seinen Reiz.

wer&wo

WOMBAT’S CITY HOSTELS Global

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Király u. 20, H-1061 Budapest

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München Werksviertel
Atelierstraße 20, D-81671 München

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Jacobstraße 1, D-04105 Leipzig

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7 Dock Street, London E1 8LL

www.wombats-hostels.com