HANNIBAL FEIERT 100.000

Vor der alpinen Kulisse des Rettenbachgletscher in Sölden erlebten 6.000 Gäste die 25. Auflage der größten zeitgenössischen Freiluft-Live-Performances der Welt, die seit 2001 Mensch, Natur und Choreografie auf 3.000 Metern Seehöhe vereint. Einzigartig!

Text: Redaktion; Fotos: Christoph Noesig für Ötztal Tourismus

Laute und stille Momente wie die Traumdeuter-Szene prägen die Aufführung am Rettenbachgletscher im Ötztal.

Das Wetter beteiligte sich bei der diesjährigen Auflage wiederum als wesentlicher Akteur. Bei Schneefall war die Szenerie am Gletscher von besonderer Mystik – passend zum Stück – geprägt. Insgesamt 6.000 Zuschaue ließen sich das Jubiläum nicht entgehen und verfolgten die Inszenierung auf der rund sechs Kubikkilometer großen Hochgebirgsbühne. Was im April 2001 als mutiges Experiment begann, hat sich längst zu einem gefragten Event-Highlight im Ötztal entwickelt, das im Zweijahresrhythmus stattfindet. In den vergangenen 25 Jahren haben knapp 100.000 Menschen dieses Zusammenspiel miterlebt, das die Grenzen zwischen Mythos und Moderne verwischt. 

Zwischen Mythos und Moderne: Die Geschichte über den legendären kathargischen Feldherrn fasziniert bis heute.

Die Masterminds hinter dem Erfolg
Dass Hannibal heute als fest verankertes Kulturgut gilt, ist maßgeblich Regisseur Hubert Lepka (Lawine Torrèn) und dem Sölder Kreativen Ernst Lorenzi zu verdanken. Während Lepka die künstlerische Vision einer präzisen Choreografie mit internationalem Ensemble realisiert, ist sein Ötztaler Counterpart der lokale Initiator, der die Gemeinschaft im Ort für dieses Projekt begeistert. Die Liste der Teilnehmenden reicht von Bergführer über Skilehrer bis hin zu den Mitarbeiter der Bergbahnen Sölden. Die Veranstaltung wird von der gesamten Region getragen und zeigt: Die Verbindung zwischen professioneller Kunst mit arrivierten Schauspieler und lokaler Identifikation ist das Fundament für die Beständigkeit des Projekts.

Menschliche Willenskraft als zeitlose Parabel
Inhaltlich bleibt die Darstellung eine Parabel über menschliche Entschlossenheit und die Unwägbarkeiten des Schicksals. Basierend auf historischen Quellen, zeichnet die Performance den Weg der karthagischen Seite nach, wobei das „Zögern“ als eine der alles entscheidenden Handlungen im Mittelpunkt steht. Die Naturkulisse des Hochgebirges dient dabei nicht nur als Bühne, sondern als aktiver Mitspieler, der die Relationen zwischen Mensch und Natur eindrucksvoll verdeutlicht.

Hunderte Mitwirkende wie internationale Tänzer tragen maßgeblich zur Wirkmächtigkeit der zeitgenössischen Freiluft-Performance bei.
Eine Flotte an Pistenbullys stellt die Elefanten dar, mit denen Hannibal über die Alpen zog.

Jubiläum zum Nachlesen und Nachhören
Passend zum Vierteljahrhundert-Jubiläum erschien ein umfassender Bild- und Textband (ISBN: 978-3-9501743-0-4), der die Geschichte und die Menschen hinter dem Projekt dokumentiert. Zudem ist der markante Soundtrack von Komponist Peter Valentin mit der Erzählstimme von Harald Krassnitzer nun auf Streaming-Plattformen wie Spotify, Amazon und Apple Music verfügbar, um das Erlebnis akustisch Revue passieren zu lassen. „Ich wollte, dass die Musik das trägt, was zwischen den Bildern liegt: die Erschöpfung, die Entscheidung, die merkwürdige Stille vor einem großen Fehler“, so Komponist Peter Valentin zur Musik des Gletscherschauspiels Hannibal.

Der Sölder Felix Leiter (l.) verkörperte den jungen Hannibal.
Freuen sich über das erfolgreiche Jubiläum ihres Gemeinschaftsprojekts: Regisseur Hubert Lepka (Lawine Torrèn), Jakob Falkner (Geschäftsführer Bergbahnen Sölden), Hannibal-Mastermind Ernst Lorenzi.