KAFFEE

DIE VIELEN GESICHTER DES KAFFEES

Jeder zehnte Einwohner Burundis lebt vom Kaffeeanbau. Wie Kaffee aus Burundi schmeckt, wissen die wenigsten – weder in Burundi selbst noch im Rest der Welt. Schade eigentlich.

Text: Wolfgang Schedelberger // Fotos: Kristy Carlson

Foto: Kristy Carlson

Ben und Kristy Carlson haben sich mit ihrer Handelsfirma „Long Miles Coffee Project“ auf Ostafrika konzentriert. Die vergangenen zehn Jahren hat das amerikanische Paar auch in Burundi gelebt. Sie wissen also, was sich dort tut und womit sie handeln.

Burundi ist ein sehr schönes, kleines Land. Auf rund einem Drittel der Fläche Österreichs tummeln sich 11,5 Millionen Menschen, von denen rund eine Million vom Kaffeeanbau lebt. Das klingt nach viel und ist es auch. Mit knapp 80 % Exportanteil ist Kaffee der mit Abstand wichtigste Devisenbringer des dicht bevölkerten Agrarlandes. Der Großteil der agrarischen Erträge wird zu Ernährung der eigenen Bevölkerung verwendet. Politische Krisen haben die wirtschaftliche Entwicklung seit der Unabhängigkeit im Jahr 1962 gehindert. Burundi ist heute eines der ärmsten Länder Afrikas.

Allzu romantisch darf man sich das Leben dort also nicht vorstellen. Kristy Carlson ist eine leidenschaftliche Fotografin und hat ein Projekt gestartet, bei dem sie hunderte „ihrer“ Kaffeeproduzenten für ein paar Wochen mit einer Kamera ausgestattet hat, damit sie ihr tägliches Leben dokumentieren. Die Porträts, die am Vienna Coffee Festival 2022 zu sehen waren, hat sie selbst gemacht. Sie zeichnen kein Bild von Elend und Unterentwicklung, sondern stellt stolze, würdevolle Menschen dar.

Kristy und Ben Carlson mit Ihren Kindern. Foto: Kristy Carlson

»Wir waren zehn Jahre in Burundi und haben ein wunderschönes, faszinierendes Land kennengelernt.«

– KRISTY CARLSON –

Ihr Anliegen ist es, die konträren Lebenswelten von Kaffeeproduzenten und -konsumenten einander näher zu bringen. „Wir waren zehn Jahre dort und haben ein wunderschönes, faszinierendes Land kennen gelernt. Die Rundis sind fröhliche, stets gut gelaunte Menschen“, berichtete uns Kristy bei ihrem Wien-Besuch. Sie glauben an eine bessere Zukunft und können mit Begriffen wie „Klimawandel“ rein gar nichts anfangen, auch wenn sie davon massiv betroffen sind. Das größte klimatische Problem, das sich in Ostafrika seit ein paar Jahren abzeichnet, betrifft den Regen. Die Dürreperioden werden extremer, die Überschwemmungen immer dramatischer.

Aus den anfänglich 50 Kaffeebauern, von denen Ben und Kristy Kaffee beziehen, sind mittlerweile 5.500 geworden. 26 „Coffee Scouts“ beraten sie als Agronomen dabei, wie sie bessere Qualitäten erzielen können. Das ist schwieriger, als man zunächst glaubt. Der Kaffeeanbau wurde erst unter den belgischen Kolonialherren nach dem ersten Weltkrieg begonnen. Eine traditionelle lokale Kaffeekultur gibt es daher nicht. Die meisten Kaffeebauern haben noch nie in ihrem Leben ihren eigenen Kaffee getrunken. Dabei handelt es fast durchgehend um qualitativ hochwertige Arabica-Bohnen. Boden und Klima sind wie für den Kaffeeanbau gemacht.

Kaffee aus Burundi wird als grüne Bohnen an Röster in den USA und Europa verkauft. Was zunächst nach Ausbeutung klingt, ist die einzige Chance für die Rundis, an Devisen zu kommen. Dieser Weg muss keine Sackgasse sein. Ben und Kristy haben es sich zum Ziel gesetzt, zu faireren Wirtschaftsbeziehungen zwischen „ihren“ Kaffeebauern und den Konsumenten in den reicheren Ländern beizutragen. Der Ball liegt also bei uns. Dank engagierten Händlern wie dem „Long Miles Coffee Project“ von Ben und Kristy gibt es fair gehandelten Spitzenkaffee aus Burundi in Bio-Qualität auch in Amerika und Europa. Schauen Sie Dorothy, Emilliene, Goreth oder Gervais tief in die Augen und schenken Sie ihnen ein Lächeln, in dem Sie sich eine Tasse Burundi-Kaffee gönnen.

Fotos: Kristy Carlson

Die meisten Kaffeebauern haben noch nie in ihrem Leben ihren eigenen Kaffee getrunken.

BURUNDI

  • Amtssprache: Kirundi und Französisch
  • Hauptstadt: Bujumbura
  • Staatsform: Republik
  • Regierungssystem: Präsidialsystem
  • Fläche: 27.834 km2
  • Einwohnerzahl: 10.577.000
  • Bevölkerungsdichte: 379 Einwohner pro km2
  • Unabhängigkeit: 1. Juli 1962 von Belgien

GESCHICHTE

Burundi ist einer der kleinsten Staaten in Afrika, jedoch sehr dicht besiedelt. Die Menschen in Burundi gehören allesamt dem Volk der Rundi an. Sie haben eine gemeinsame Kultur. Der Kaffeeanbau in Burundi begann 1960 durch die Belgier für industriellen Kaffee. Heute rückt der Kaffee aus Burundi durch den sorgfältigen Anbau und die fachmännische Weiterverarbeitung immer mehr ins Rampenlicht der Spezialitätenkaffees.

Für eines der ärmsten Länder der Welt sind Kaffeeanbau und Landwirtschaft die Haupteinnahmequellen der Bevölkerung.